Herzlich willkommen in Münchehof am Harz

 

Gedenkfeier zum Tag der Deutschen Einheit in Münchehof

Auch 28 Jahre nach der Vereinigung Deutschlands hatten sich wieder viele Bürgerinnen und Bürger aus Münchehof und der näheren Umgebung an der Gedenkstätte nahe des  Niedersächsischen Forstlichen Bildungszentrums eingefunden, um sich des Tages zu erinnern, der in die Geschichtsbücher als Tag der Wiedervereinigung Deutschlands einging und seither als „Tag der Deutschen Einheit“ gefeiert wird. Eingeladen hatte wiederum der Heimatverein Münchehof e. V., dessen Vorstand und Mitglieder vor achtzehn Jahren an dieser Stelle eine Eiche pflanzten, die seitdem als “Eiche der Deutschen Einheit” Bedeutung erlangt und sich zur Freude des Vereins inzwischen prächtig entfaltet hat. Seit 2009 kündet außerdem ein Gedenkstein, der von der Steinbildhauerin Dagmar Uthe kunstvoll gestaltet wurde, von diesem welthistorisch einmaligen Ereignis. Auch in diesem Jahr ließ es sich der Vorsitzende des Heimatvereins, Dieter Pöppe, nicht nehmen, die vielen Bürgerinnen und Bürger herzlich zu begrüßen. Besondere Willkommensgrüße galten der Ortsbürgermeisterin Dorothea Uthe-Meier, der Fraktionsvorsitzenden im Rat der Stadt Seesen, Andrea Melone, den Protagonisten der Veranstaltung, Werner Fuchs und Joachim Pedroß, sowie dem Musikduo Klaus Beermann und Mario Müller, das die Feuerstunde musikalisch umrahmte.

Anders als in den Jahren zuvor, stand diesmal keine Gedenkansprache im Mittelpunkt der Veranstaltung. Vielmehr berichteten die Vorstandsmitglieder Werner Fuchs und Joachim Pedroß über eigene Erlebnisse mit der Teilung und der Vereinigung Deutschlands. Zur besonderen Freude des Heimatvereins und der vielen Anwesenden trat als Überraschungsgast ein  in Münchehof anwesender Urlauber aus Berlin auf, der über seine Flucht aus der DDR, den Neuanfang in Westdeutschland und die Rückkehr in die Heimat berichtete.

Werner Fuchs erzählte in sehr anschaulicher Weise von Begegnungen mit Verwandten aus Harbke, einem Ort nahe Helmstedt, der bekanntlich noch im Sperrgebiet der ehemaligen DDR lag. Zu der Zeit, als der „kleine Grenzverkehr“ noch nicht vereinbart war, traf man sich zunächst in Marienborn, um dann getrennt die Weiterfahrt anzutreten. Die Verwandten aus Harbke mit dem Trabi, Werner Fuchs mit Ehefrau mit dem Nahverkehrszug zunächst bis zur ersten Station außerhalb des Sperrgürtels, um dann gemeinsam mit dem Trabi das ausgewählte Ziel zu erreichen. Nur so war es möglichen, einen Tag gemeinsam zu gestalten und zu verbringen. Ein Beispiel, das deutlich macht, welche Schwierigkeiten es damals zu überwinden galt, um eine Begegnung von Verwandten aus den beiden Teilen Deutschlands überhaupt zu ermöglichen. 

Joachim Pedroß erinnerte einleitend an die Empfindungen der Menschen, wenn sie etwa entlang des mit Selbstschussanlagen versehenen Grenzzaunes wanderten oder aber von einer Stelle aus einen Einblick in die Grenzschutzanlagen erlangen konnten. Immer wieder verspürten die Menschen damals, einmal diesen Zaun überwinden und etwa einfach so auf den Brocken – den Schicksalsberg der Harzer – wandern zu können. In beeindruckender Weise erzählte er dann von seinem ersten Ausflug in den Ostharz am 10. November 1989 und berichtete von seinen Beobachtungen, wonach an diesem Tag bei Rotheshütte hunderte von DDR-Bürgern die Öffnung der Grenze in Richtung St. Andreasberg erzwangen. Darüber hinaus sprach er über seine  erste Brockenwanderung am Sylvestertag 1989. Es herrschte an diesem Tag Invasionswetter. In Schierke zeigte das Thermometer minus 6 Grad. Es war nebelig und Braunkohlenstaub legte sich auf Zunge und Lippen. Je näher die Wanderer an diesem Tag dem Brockengipfel kamen, je klarer wurde die Luft. Auf dem Brocken angekommen, öffnete sich ein wolkenloser Himmel. Nur die Wurmbergschanze und die Antennenanlagen vom Torfhaus ragten aus den Wolken hervor und das Thermometer zeigte plus 13 Grad. Die russischen Soldaten boten Tee aus ihren frisch geputzten  Samowaren an und den Leuten aus Ost und West sah man an, dass dieser Tag ein besonderer Glückstag für sie war. 

Der Überraschungsgast, der sich als Thomas Fuhrmann zu erkennen gab, schilderte zunächst seinen persönlichen Lebensweg in Ostberlin. Schon immer habe der Wunsch bestanden, nach Westdeutschland zu gelangen.  Kurz vor der Grenzöffnung sei ihm dann die Flucht über Ungarn und Österreich gelungen. Schnell habe er sich in Groß-Gerau eingelebt, Arbeit und Wohnung gefunden und nur noch darauf gewartet, Frau und Kind nachzuholen. Und dann kam der 9. November. Kurzentschlossen sei er nach Berlin gereist, habe mit Tausenden auf der Mauer getanzt und am anderen Tag seine Familie aufgesucht. Das Glück war vollkommen. Schon bald ist er dann wieder in seine alte Heimat zurückgekehrt und habe sich und seiner Familie ein glückliches Leben in Berlin bereiten können. Sein Sohn hat später eine  Westdeutsche geheiratet und das gemeinsame Kind sei nun das lebendige Ergebnis gelungener Vereinigung.       

Nach diesen mit viel Applaus bedachten Berichten sangen dann die vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Feierstunde unter musikalischer Begleitung  die deutsche Nationalhymne und bekräftigten so den Wunsch nach Einigkeit und Recht und Freiheit. Zum Abschluss lud dann der Heimatverein zu einem kleinen Umtrunk ein, von dem an diesem besonderen Gedenktag bei kühlem aber sonnigem Wetter gern Gebrauch gemacht wurde.