Herzlich willkommen in Münchehof am Harz

 

Das Leben und Wirken von Südtirolern im Harz

Hoher Besuch aus Bozen und Hannover in Münchehof

 

Eine zwanglose Zusammenkunft besonderer Art fand jetzt in Münchehof statt. Auf Initiative der früheren Referatsleiterin im Niedersächsischen Kultusministerium, Dr. Karin Gafert, und unter Vermittlung des früheren Landtagspräsidenten, Prof. Dr. Rolf Wernstedt, fand jetzt ein Gespräch mit Dr. Othmar Parteli und seiner Frau, Dr. Renate Bernard, beide wohnhaft in Jenesien bei Bozen mit dem Ziel statt, den Gästen möglichst viel über das Schicksal  von Südtirolern, die vor oder während der leidvollen Optionszeit ihre Heimat verlassen mussten, zu berichten. Dr. Parteli war bis 2004  Direktor im Amt für Kultur des Landes Südtsirol und danach Leiter des Museumsverbundes im Lande Südtirol. Parteli hat sich aber auch als Buchautor einen Namen gemacht und dabei insbesondere die Geschichte seines Landes, aber auch die Schicksale vieler Menschen, die in der Zeit, als sich die Südtiroler entweder für eine völlige Eingliederung in Italien oder aber für eine Auswanderung nach Deutschland oder Österreich entscheiden mussten (Optanten-Periode), in sehr eindrucksvoller Weise beschrieben. Seine Frau ist Juristin in der Universitätsverwaltung der Freien Universität Brixen. Dr. Gafert und Dr. Parteli kennen sich seit vielen Jahren durch ihre gemeinsame Zeit als Vertreter ihrer Länder in der „Versammlung der Regionen Europas“ (VRE). Neben den beiden Südtirolern konnten Waltraud und Joachim Pedroß als Gastgeber aber auch die Initiatoren, Prof. Dr. Rolf Wernstedt und Dr. Karin Gafert mit Ehemann Klaus-Dieter Kater begrüßen. Als Gesprächspartner standen Edmund Eberhöfer (92) als Zeitzeuge, er ist mit seiner Familie 1938  nach hier gekommen, sowie die Südtiroler in zweiter Generation, Johanna Wöhle geb. Kurz, Arthur Sachsalber und Annemarie Woltmann geb. Hüter vom Verein der Südtiroler in Niedersachsen (Bad Grund) sowie Joachim Pedroß zur Verfügung.  Mit dabei aber auch der Maler Hans-Georg Wöhle, der viele Bilder und auch einige spezielle Bücher über Südtirol geschaffen und der früher mit seiner Frau den Verein der Südtiroler geleitet hat. 

In dem Gespräch stand ganz selbstverständlich das Wirken der Südtiroler beim Aufbau und der Fortentwicklung des Kalkwerkes und des Winterberges im Mittelpunkt der Betrachtungen, wobei insbesondere auf die Entstehung und die besondere Bedeutung der Iberg-Siedlung in Bad Grund, die über viele Jahre  fast ausschließlich von Südtirolern bewohnt war, hingewiesen wurde.  Sehr interessiert war Dr. Parteli auch an Einzelschicksalen von Südtirolern im Harz und  informierte sich darüber, wie sie seinerzeit von der Bevölkerung aufgenommen wurden und ob viele der damaligen Optanten wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Fragen, zu denen die hiesigen Gesprächspartner – allen voran Edmund Eberhöfer – natürlich sehr gern und ausführlich Stellung bezogen. Und so traten dann die Münchehöfer Gäste angereichert mit vielen neuen und interessanten Informationen am späten Abend ihre Rückreise zunächst nach Hannover und die Südtiroler am anderen Tag nach Südtirol auch deshalb an, weil sie die Nachricht erhielten, dass Hagelschauer große Schäden in den heimischen Weinbergen angerichtet hatten.