Herzlich willkommen in Münchehof am Harz

 

 

Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit

Ortsbürgermeisterin Dorothea Uthe-Meier hielt eine beeindruckende Gedenkrede

 

Auch 27 Jahre nach der Vereinigung Deutschlands hatten sich wieder viele Bürgerinnen und Bürger aus Münchehof und der näheren Umgebung an der Gedenkstätte nahe des  Niedersächsischen Forstlichen Bildungszentrums eingefunden, um sich des Tages zu erinnern, der in die Geschichtsbücher als Tag der Wiedervereinigung Deutschlands einging und seither als „Tag der Deutschen Einheit“ gefeiert wird. Eingeladen hatte wiederum der Heimatverein Münchehof e. V., dessen Vorstand und Mitglieder vor siebzehn Jahren an dieser Stelle eine Eiche pflanzten, die seitdem als “Eiche der Deutschen Einheit” Bedeutung erlangt und sich zur Freude des Vereins inzwischen prächtig entfaltet hat. Seit 2009 kündet außerdem ein Gedenkstein, der von der Steinbildhauerin Dagmar Uthe kunstvoll gestaltet wurde, von diesem welthistorisch einmaligen Ereignis. Auch in diesem Jahr ließ es sich der Vorsitzende des Heimatvereins, Dieter Pöppe, nicht nehmen, die vielen Bürgerinnen und Bürger, vor allem aber Ortsbürgermeisterin Dorothea Uthe-Meier herzlich zu begrüßen, die es in diesem Jahr übernommen hatte, die Gedenkrede zu halten. 

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde erneut von dem Musikduo Emil und Klaus Beermann. Sie waren es auch, die die Gedenkstunde mit dem Musikstück  feierlich eröffneten.

Zu Beginn ihrer mit großer Aufmerksamkeit verfolgten Rede dankte Dorothea Uthe-Meier dem Heimatverein für die Einladung und die Möglichkeit, an diesem Ort, den ein von ihrer Mutter gestalteter Gedenkstein verschönert, reden zu dürfen. Gleich zu Beginn hebt sie hervor, dass ihre Erinnerungen an das geteilte Deutschland aufgrund ihres Lebensalters eher begrenzt seien. Gleichwohl wußte sie dann von ihren Kindheitserinnerungen, die sie regelmäßig bei ihren Großeltern nahe Eschwege unmittelbar an der innerdeutschen Grenze sammeln konnte, viel über die deutsche Teilung zu berichten. Und natürlich ließ sie auch nicht unerwähnt, dass sie auch Verwandte in der „Ostzone“ – wie es damals hieß – hatten und regelmäßig Pakete mit unvermeidlich lebenswichtigen Dingen verschickten. Ein Pfund Kaffee, die von ihr getragene Jeans bis hin zur berühmt, berüchtigten „BRAVO“ sei immer alles dabei gewesen. Zugleich hob sie hervor, dass nach ihren damaligen kindlichen Vorstellungen „drüben“ nur ärmliche Leute in einer farblosen Welt wohnten. „Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass die Bäume und das Gras dort genauso grün waren wie bei  uns“, führte Dorothea Uthe-Meier in dem Zusammenhang aus. 

In ihren Ferien gehörte es bei den Fahrten zu den Großeltern aber auch zu einem festen Ritual, regelmäßig hinter Friedland auf einem Parkplatz anzuhalten, um gemeinsam in die DDR hinüber zu schauen. „Man konnte von dort auch den sogenannten „Todesstreifen“ sehen, der die Landschaft als klare Zick-Zack-Linie zerteilte. Ich kann Ihnen sagen, das war immer wieder eine kleine Sensation für mich: irgendwie aufregend, aber auch ein bisschen unheimlich und gruselig“, so Dorothea Uthe-Meier.

Besondere Erinnerungen – so berichtete sie -verbindet sie jedoch mit dem vorletzten Tag des Jahres 1989. Sie weilte damals wieder bei den Großeltern in Grebendorf / Nordhessen. Die alte Landstraße, die nur wenige Kilometer aus dem Ort in die thüringische Nachbargemeinde Kella führte, war 40 Jahre gesperrt und völlig zugewachsen. Bis zum 30. Dezember 1989. Seit dem Mauerfall im November hatten Hunderte Freiwillige, aber auch die Gemeinden Meinhard und Kella mit Maschinen und unermüdlicher Hände Arbeit die Straße wieder freigelegt und passierbar gemacht. Am 30. Dezember wurde dieser Weg für die zivile Bevölkerung wieder freigegeben und die Wiedervereinigung an dieser deutsch-deutschen Grenze mit einem großen Fest in Kella gefeiert. Über die dabei gesammelten Erinnerungen mit persönlichen Kontakten bei einer Kaffeetafel im Kreise neu gewonnener Bekanntschaften wußte Dorothea Uthe-Meier lebhaft zu berichten. Und so sei sie bei ihrer Recherchen zu dieser Feierstunde auch auf Filme und Dokumente gestoßen, die ausnahmslos Menschen zeigten, denen man die unglaubliche Freude und das Glück, das sie in diesem Moment erlebten, förmlich ansehen konnte. Noch heute, so Dorothea Uthe-Meier,  bewirkten solche Bilder bei ihr eine Gänsehaut. Allerdings stellte sie auch die Frage: „Und was ist nach fast 30 Jahren von dieser Freude geblieben?“ Dorothea Uthe-Meier: „Deswegen sollten wir diesen heutigen dritten Oktober, den Tag der Deutschen Einheit als Gelegenheit und Chance nutzen, uns immer wieder aufs Neue klar zu machen, dass die Wiedervereinigung Deutschlands vor 27 Jahren ein so großes und wertvolles Geschenk für uns alle ist. Damals, heute und auch in Zukunft. Lassen Sie uns diesen Tag zusammen feiern und tragen Sie Ihre ganz persönlichen guten Erlebnisse und Erinnerungen weiter – damit die ungerechten und schlechten Gedanken aus unseren Köpfen verschwinden und Platz machen für die bundesweite Idee von Einigkeit und Recht und Freiheit.“. Nach dieser mit viel Applaus bedachten Rede sangen dann die vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Feierstunde unter musikalischer Begleitung  die deutsche Nationalhymne und bekräftigten so den Wunsch nach Einigkeit und Recht und Freiheit. Zum Abschluss lud dann der Heimatverein zu einem kleinen Umtrunk ein, von dem an diesem besonderen Gedenktag natürlich gern Gebrauch gemacht wurde.